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Über die Herausforderungen eines Dolmetschers

Dolmetscher werden meist für Verhandlungen von rechtlichen Angelegenheiten, Geschäftsverhandlungen und Arztgesprächen bestellt, ob persönlich oder am Telefon. Die vielen unterschiedlichen Situationen erfordern über die ausgezeichneten Fähigkeiten hinaus die Kenntnis der Empfehlungen des Berufsstandes.

Herausforderungen des Synchrondolmetschens

Die Wortfolge der ungarischen und der deutschen Sätzen ist unterschiedlich. Damit man mit dem Tempo beim Synchrondolmetschen mithalten kann, kommt es vor, dass der Dolmetscher einen Satz beginnt, ehe er schon weiß, wie dieser endet. Die Sätze in improvisierten Reden hängen vielfältig miteinander zusammen, das meiste wird mindestens einmal wiederholt, und das Neue geht meistens aus dem bereits Gesagten hervor. Das heißt, vieles erschließt sich von selbst. Aus Niederschriften von mündlich übersetzten Texten kann man entnehmen, dass erfahrene Dolmetscher korrigierbare Satzkonstruktionen bevorzugen. Erfahrungen mit dem Thema, mit dem Sprecher bzw. der Zuhörerschaft kann die Aufgabe des Dolmetschers natürlich erleichtern.

Unter idealen technischen Bedingungen – z.B. an Konferenzen – geht das Synchrondolmetschen wie folgt vonstatten:

Abhängig von Anzahl der Zuhörer und ihrer Sprachen kann es zu Kompromissen kommen; z.B. wenn die Teilnehmer kein Mikrofon haben und der Dolmetscher nicht in einer Kabine, sondern ohne Kopfhörer in einer Ecke sitzt.

Nach einer allgemein verbreiteten Annahme soll das gleichzeitige Zuhören, Übersetzen und Sprechen außerordentlich anstrengend sein. In Wahrheit bereitet begabten Menschen die gleichzeitige Rezeption und Produktion an sich keine Schwierigkeiten. Natürlich hat das Synchrondolmetschen seine zeitlichen Grenzen; bei den einen ist es 2, bei den anderen 3 Stunden, bei manchen mehr. Bei anstrengenden Fachsprachen ist selbst der Wechsel zweier Dolmetschern in Zehn-Minuten-Takt keine Seltenheit. Wie bei allen geistigen Anstrengungen, wird das Gehirn müde, es braucht von Zeit zu Zeit Ruhe (Pause, Stille). Dolmetscher finden sich häufig in Situationen wieder, die ihre Ausdauerfähigkeit stark beanspruchen.

Kurze, undurchdachte Reaktionen in unvollständigen Sätzen können Dolmetschern schwer zu schaffen machen - besonders, wenn es um Themen geht, über welche der Dolmetscher das wenigste unter den Anwesenden weiß. Leider ist es vielen nicht bewusst, dass der Dolmetscher die Gedanken auch verstehen sollte, um sie übersetzen zu können. Bloße Übersetzung ohne Verständnis gibt es nur mit Einschränkungen; es funktioniert nicht, wenn die Parteien – so wie im Alltag – mit dürftigen, nicht grammatischen Wortgefügen aufeinander reagieren.

Herausforderungen des Konsekutivdolmetschens

Die meisten Geschäftsverhandlungen, aber auch Feierlichkeiten, Empfänge sind Fälle der Konsekutivverdolmetschung; der Sprecher gibt nach einigen Gedanken etwas Zeit für die Verdolmetschung. Geübte Profidolmetscher sind fähig bis zu 5 Minuten zu wiedergeben; ist der Dolmetscher mit dem Thema vertraut, sogar längere Texte; es gibt Vorstellungen von einer Obergrenze von etwa 10 Minuten. So viel ist schon wirklich eine Mordsarbeit. Irgendwann lässt die Qualität selbst bei Gedächtnis-Meistern nach. Wir sprechen von einem guten Ergebnis, wenn die Übersetzung alle wesentlichen Informationen beinhaltet und die Sprechabsichten zur Geltung kommen - die Gewichtung und die Einstellung des Sprechers gegenüber der Informationen.

Die Konsekutivverdolmetschung wird dann schwieriger, als die synchrone, wenn ein Sprecher die Welt um sich vergisst, und - wie bei feierlichen Anlässen vor großem Publikum - der Dolmetscher ihn nicht darauf aufmerksam machen kann.

Herausforderungen des Telefondolmetschens

Die Verdolmetschung von Personen, die sich üblicherweise am Telefon verständigen, kann lästig sein. Qualitätseinbußen, die sich aus den Eigenheiten von Telefonkonferenzen oder aus der schlechten Leitung ergeben, werden gerne mal dem Dolmetscher in die Schuhe geschoben.

Leider gewähren die heutigen Telefon- und VoIP-Verbindungen stellenweise nur einseitigen Datenverkehr. Das heißt wenn die eine Partei länger spricht, wird die Stimme der anderen irgendwann gar nicht übermittelt; damit wird Bandbreite eingespart. Vielleicht kennen auch Sie das aus Ihren Skype-Anrufen. Auf VoIP können sie vielmehr nur abwechselnd reden, weil ihre Zwischenrufe meist von dem anderen nicht berücksichtigt werden - sie werden einfach nicht gehört. Wie an die Eigenheiten eines jeden Mediums, sind wir daran gewöhnt und beschuldigen uns nicht gegenseitig mit Ignoranz und Aufdringlichkeit, es sei denn jemand ist tatsächlich aufdringlicher, und (so halb bewusst) in den Hörer schauft, und mit Pöppöröppöppös und Ähnlichem das Vorrecht der Übertragung bei sich hält.

Im Fall des Telefondolmetschens ist der angerufene Teilnehmer aber einfach nicht für die Situation vorbereitet, von zwei Leuten angerufen zu werden, wobei nur der eine spricht, der Kunde / Betroffene aber genau der andere ist – wenn Antworten sich aufgrund der Übersetzung zögern, führt das zu Irritationen, die Klärung von Verhören brauchen für alle Teilnehmer ungewöhnlich länger. Und da der Gesprächspartner in Tausend Kilometer Entfernung sitzt, besteht die Option "dann mal vorbeizuschauen" nicht.

Für eine möglichst gute Leitung zu sorgen, welche die Regungen beider Parteien stets vermittelt, ist die Kompetenz der Telefondienstleister. Die Sprecher dafür zu sensibilisieren, wie sie für ein optimales Ergebnis zu kommunizieren haben, liegt aber sehr wohl am Dolmetscher. Im Fall einer Telefonverdolmetschung sollten die Gesprächspartner wissen, dass sie ihr Anliegen möglichst zielgerichtet, verständlich artikuliert vortragen sollen, und dass sie möglichst in ganzen Sätzen sprechen sollten, die auch mal ein Ende haben.

Über die Rolle des Auftraggebers

Zwei Sachen möchten wir unseren Auftraggebern sehr ans Herz legen.

Zum einen, uns die Umstände des Events bekannt zu geben, im Fall von Veranstaltungen sind hierfür die beiden Pfeiler das maschinengeschriebene Programm und die Liste der Redner. Mit jeder einzelnen Information gweinnen wir ein genaueres Bild dessen, worauf wir uns vorbereiten dürfen. Wenn trotz Bitte nicht einmal ein schriftliches Program rüberkommt, nur telefonisch mitgeteilte, unstrukturierte Informationen - das sind Anzeichen schlechter Organisation, die zu Problemen führen kann. Sind die Rollen nicht geklärt, ist die kommunikative Situation unklar, kann das den Dolmetscher schon mal überlasten.

Die andere Sache ist es, unseren Dolmetscher auf die voraussehbaren fachlichen Inhalte vorzubereiten. Unabhängig von der Dolmetschart kann das Leben des Dolmetschers in erster Linie erwschweren, wenn der Sprecher auf einmal mit unerwarteten Termini herausrückt. Deswegen bitten wir nachdrücklich vor jedem Dolmetscheinsatz, uns alle inhaltlichen Materialien, welche bei der Verdolmetschung nützlich sein können. Wenn der jeweilige Fachbereich etwas speziell ist, dann eben etwas Lehrstoffmäßiges; zu Zeiten des Internets ist das meistens kein Problem.

Auf dieser Grundlage ist unsere Empfehlung auf eine Art Checkliste wie folgt:

Inhaltliche Herausforderungen

Es kann zu unangenehmen Situationen führen, wenn die Rolle der Parteien nicht kristallklar ist. Das kann sich mit dem Phänomen vermischen, wenn eine der Parteien die jeweils andere Sprache ein wenig spricht, und es mal ohne Dolmetscher versucht, oder als Verkehrssprache sich auf einmal des Englischen bedient. Es ist zu erwägen, ob der Dolmetscher unbedingt versuchen soll, seine Rolle wiederzuerlangen. Manchmal ist das richtige, nicht zu stören. Es kann sich nämlich auch erst am Einsatzort herausstellen, dass der Inhalt einfach nicht zu verdolmetschen ist (etwa aufgrund extremer Fachlichkeit), oder aus einem vertraulichen Grund auf die Verdolmetschung verzichtet wird. Halten die Gesprächspartner einmal Pause, kann der Dolmetscher die Klärung der Kommunikationssituation initiieren.

Bei Mitarbeitergesprächen hat es der Dolmetscher, was den Wortschatz angeht, leichter, umso höher kann die Stress-Belastung sein. Auf der einen Hand ist die treue Wiedergabe eines jeden Wortes wichtig; z.B. wird der Chef seine Schuldsprüche schon aus gutem Grund sagen, und Mitarbeiter werden schon wissen, was an ihrem Arbeitsplatz als erlaubt, verboten, als Extraleistung oder als Rückstand gilt, man braucht sich nicht in ihren Spielregeln einzumischen. Aber selbst unter den besten Führungskräften und Angestellten kann es zu Übergriffen kommen, etwa im Eifer einer Diskussion den anderen rauszuschmeißen bzw. zu kündigen – das ist nicht der Übersetzung wert. Aussagen mit ernsthaften Konsequenzen werden immer wiederholt, ja sogar mehrfach. Wenn Mitarbeiter unter der Last der Verantwortung zusammenbrechen und sich hinreißen lassen, können sie froh sein, einen Dolmetscher zu haben, der immerhin ihre extremsten Ausbrüche nicht ungefiltert vermittelt.

Da stellt sich auch die Frage der Betonung. Der Mitarbeiter versteht schon die Dringlichkeit einer Aufgabe, wenn diese wiederholt wird; Emotionen werden auch auf Fremdsprachen wahrgenommen, Mimik und Gestik sind weitgehend interkulturell. Die Nachahmung des Tonfalls ist also hinfällig, die des gereizten Tonfalls sogar kontraproduktiv. Eine „Maschinenstimme“ sollte man aber vermeiden. Hat die Sprache keinerlei Akzentuierung, gibt das Verständnisprobleme. Am besten reproduziert der Dolmetscher das Gespräch mit jeder feinen Sprechabsicht, schwächt aber die Betonung gleichmäßig ab. Die Betonung von Dringlichkeit, Beruhigung, rhetorische Fragen, etc. sollten also durchaus vorhanden sein, die Nachahmung des Originals gilt aber als Übertrieben.

Wenn sich die Parteien entzweien und einander in die Rede fallen, überlastet dies den Dolmetscher aufs Äußerste. An Gerichten gibt es eine strenge Verfahrensordnung und eine Etikette, welche in der Regel allseitig beachtet werden; bei Notaren oder an internen Konferenzen von Arbeitsplätzen, Organisationen hingegen können sich die Gemüter schon mal erhitzen. Schlimm wird es dann, wenn sie aus der Schlammschlacht auch den Dolmetscher nicht ausklammern. Als Dolmetscher sollte man bis zuletzt auf die Wahrung der Form, auf die höfliche Anrede und einer gepflegten Wortwahl bestehen. Während geistige Ermüdung sich erst nach Stunden bemerkbar macht, führt emotionale Ermüdung schnell zum dramatischen Abstieg der Dolmetscherleistung. Die gute Nachricht ist, dass man sich auch daran gewöhnen kann; mit den Jahren entwickelt man eine gewisse Immunität gegenüber der Stimmungen seines Umfelds (Resilienz).

Unsere Gesellschaft ist äußerst komplex, sie gleicht einer Torte mit Hunderten von bunten Schnitten. Ganze Parallelgesellschaften leben nebeneinander mit wenig oder ganz ohne Kontakt zu anderen sozialen Schichten.

Jede Gesellschaftsschicht hat ihre eigenen Kontexte. Eine kirchliche Konferenz über Bildungs- und Identitätsfragen auf theologischer Basis ist eine gänzlich andere Sphäre als eine Konferenz einer Autofabrik über die Erweiterung der Werke. Bei mehrtägigen Veranstaltungen reifen die Informationen im Kopf des Dolmetschers während des nächtlichen Schlafs aus; die neuen Wörter, aber nicht nur das. Die Absichten, Wünsche oder gar Ängste des Auftraggebers und anderen Teilnehmern, ggf. die vom Klientel gestellte Verhaltensweise müssen sich setzen. Bischöfe und Ingenieure, Geschäftsleute und Sportler haben einen sehr unterschiedlichen Umgang miteinander und der Außenwelt gegenüber.

2/3 der Dolmetscheraufträge ist mit juristischen Angelegenheiten verbunden (Gerichtsverhandlungen, Besprechungen, Erbschaftsverhandlungen beim Anwalt, Beurkundungen beim Notar, Vaterschafts- und Adoptionserklärungen bei der Vormundschaftsbehörde); da ist die Präsenz des Dolmetschers gesetzlich vorgeschrieben. Ausserdem kommt es vor, dass ein Patient im Ausland für die Inanspruchnahme medizinischer Versorgung auf einen Dolmetscher zurückgreift. Die größte Ehre in diesem Beruf ist das Vertrauen, das unsere Kunden uns bei den wichtigen Ereignissen ihres Lebens entgegenbringen. Wir bemühen uns, dem auch würdig zu bleiben.

Qualitätsmerkmale der Verdolmetschung

Wenn an einer teuer organisierten Veranstaltung die Verdolmetschung nicht funktioniert, sind die Schaden enorm. Wie kann man sowas vorbeugen? Mit unserer Erfahrung aus über einem Jahrzehnt haben wir die Qualitätsmerkmale der Verdolmetschung erfasst.

Manchmal reicht schon die bloße Anwesenheit des Dolmetschers; etwa ein Insider mit Kenntnis beider Sprachen doch an der Veranstaltung teilnimmt, eventuell auch im Thema involviert ist. Hier hat Dolmetscher einfach möglichst viel von der Situation wahrzunehmen, für den Fall, dass er ein ander Mal doch noch gebraucht wird. Die bequemste Art des Erwerbs ist, wenn man zwecks Kontrolle eines anderen Dolmetschers herangezogen wird, etwa an Gerichtsverhandlungen im Ausland. Als Zuhörer im Saal ist es verboten, dazwischenzureden. Aber mit seiner bloßen Anwesenheit bewegt er den Gerichtsdolmetscher dazu, keine Fehler bei der Übersetzung zu machen - die Anfechtung seiner Übersetzung könnte zu weiteren Verhandlungen führen.

Mal ganz ehrlich gesagt ist der Dolmetscher das 'notwendige Übel'. Daraus folgt, dass er selbst keine Umstände während seines Einsatzes bereiten darf; er soll sich anpassen, und nicht sein Umfeld. Für die Klärung von Umständen, wie die (Kosten der) Anreise, Verpflegung und Unterbringung, sollte man das Angebot / Werkvertrag gründlich schreiben. Im Fall ihrer Einhaltung ist unser Hauptanliegen die Unterstützung des Kunden in seiner jeweiligen Lebenslage.

Story

Auch Dolmetscher haben manchmal Glück! An einer Konsultation von Ärzten des ungarischen und österreichischen Roten Kreuzes hat sich z.B. Folgendes ereignet.

Unser Dolmetscher hat sich aus dem, was auf der Website für Blutspender stand, in beiden Sprachen schlau gemacht. Trotzdem hatte er Bedenken: wenn sich die Mediziner in den Einzelheiten ihrer Blutprobe-Analysen vertiefen, könnten unbekannte Biologie-Termini auftauchen, die er schlimmstenfalls mit Rückfragen und Umschreibungen überbrücken kann.

Überraschenderweise hatten aber die Mediziner für alle Krankheitserreger, medizinische Apparate und Vorgänge international vereinheitlichte Akronyme parat. Deswegen ging die Besprechung problemlos über die Bühne. Unser Dolmetscher hatte nichts weiter zu tun gehabt, als die richtigen Verbe und Nome zwischen diesen Abkürzungen zu setzen. Er mag vielleicht kein Murx verstanden zu haben, aber die Ärzte haben sich wunderbar verständigt.

Siehe ausserdem: Wikipedia

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