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Stadtführung :: Der Heldenplatz und die Andrássy Straße

Dauer: 2,5 Stunden Gehweg: 2 km

Nationalgedenkstätte - Heldenplatz/Hösök Tere

Der in der Achse der Andrássy-Straße entstandene Platz ist eine der effektvollsten Platz- und gleichzeitig Denkmalkompositionen von Budapest. Die den Platz bildenden drei Elemente, das Museum der Schönen Künste, die Kunsthalle und das Millenniumsdenkmal, welches die beiden verbindet -, sind von einem Künstler, Albert Schickedanz, geschaffen worden. (Er hat die beiden Museen gemeinsam mit Ferenc Fülöp Herczog entworfen.) Das Ergebnis davon - wenn auch zu unterschiedlichen Zeiten gebaut - ist eine großzügige elegante Komposition miteinander harmonierender Gebäude.

Bevor wir uns aber mit der Geschichte und den wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Platzes vertraut machen, sollten wir seine heutige Bedeutung erwähnen. Das Parlament der Republik Ungarn hat im Gesetz Nr. LXIII. des Jahres 2001 das Gedenken an die Helden und den Tag der Feier der ungarischen Helden verankert, dieser wird jedes Jahr am letzten Sonntag im Mai begangen. Die Zurückeroberung der Budaer Burg im Jahre 1849 ist ein bemerkenswertes Ereignis, deren Tag wurde zu Recht zum Gedenktag der Helden erklärt, die im vergangenen Jahrtausend für die ungarische Heimat gekämpft haben. Das gleiche Gesetz erklärt das Millenniumsdenkmal und den Gedenkstein der Helden zur Nationalgedenkstätte. Der Heldenplatz ist eine Gedenkstätte des ungarischen Volkes und gleichzeitig ein Militärdenkmal.

Zeitraum der Gestaltung der heutigen Platzkomposition: 1896-1929, seine Benennung erhielt der Platz 1932.
Architekt: Albert Schickedanz, in Zusammenarbeit mit Fülöp Herezog.

Das Ungarische Millennium

1896 hat Ungarn die Tausendjahrfeier der Landnahme, der Ansiedlung des Ungarntums im Karpatenbecken mit einer Reihe glanzvoller Veranstaltungen gefeiert, aus diesem Anlass sind zahlreiche Kunstwerke entstanden. Ein hervorragendes Ereignis der Feierlichkeiten stellte die Millenniumsausstellung dar, die auf dem Gelände des Stadtwäldchens ein halbes Jahr lang geöffnet war. (Ihre Bedeutung wird auch dadurch gezeigt, dass die Besucheranzahl über fünf Millionen lag, jedoch hinter der erwarteten Besucherzahl zurückblieb.) Die meisten der zum Millennium erbauten Anlagen sind bis heute bestimmende Elemente des Budapester Stadtbildes.

Die Andrássy-Straße

Die Sugár út („Radialstraße“) ist das erste und gleichzeitig bestgelungene Werk der planmäßigen Städteentwicklung, die nach dem Ausgleich, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf ganz Pest erweitert wurde. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist Budapest durch diese schnurgerade Allee mit ihren eleganten Palais zu einer echten Weltstadt geworden.

Die Andrássy-Straße/ Andrássy üt und ihr historisches Umfeld - mit dem Millenniumsdenkmal, dem Museum der Schönen Künste, der Kunsthalle sowie der unter der Allee führenden Millennium-U-Bahn - sind seit 2002 auf der UNESCO-Weltkulturerbeliste.

Erbaut: zwischen 1871 und 1876, vollständig bis 1885.
Bauvorhaben: Sicherstellung einer schnellen und spektakulären Verbindung zwischen dem Stadt-zentrum und dem Stadtwäldchen. Bei den Bauarbeiten war man gestrebt, die Grundstücke so vor-teilhaft wie möglich zu verkaufen, weil die Straßenbaukosten davon finanziert worden sind.
Länge: um 2300 Meter lang
Baustil: Höhepunkt der eklektischen Architektur, wobei der Neorenaissance-Stil vorherrscht, aber es gibt auch im Neobarock-, klassizistischen, romantischen und im Jugendstil erbaute Gebäude. Namhafte Künstler der Zeit, wie zum Beispiel Miklos Ybl, Ödön Lechner, Adolf Läng, Gyözö Czigler usw. haben sich um das einheitliche künstlerische Niveau der verschiedenen städtebildlichen Abschnitte gekümmert.
Entwurf und Bauleitung: Miklos Ybl und Istvän Linczbauer
Hauptförderer: Ministerpräsident Graf Gyula Andrássy, bzw. der Hauptstädtische Rat für Öffendi- che Arbeiten, der für die Bebauung der Andrássy-Straße eine strenge Bauregelung entwickelt hat. Gliederung: sie besteht aus drei Abschnitten, die sich leicht voneinander unterscheiden lassen, und die durch Plätze voneinander getrennt sind. Die Bauplaner hatten das Ziel verfolgt, einen aus dem dichtest bevölkerten Teil der Stadt allmählich Richtung Natur zu führen. Dementsprechend ändern sich Breite und Struktur der Straße. Vom Stadtwäldchen bis zum Oktogon ist sie 44,5 Meter weit, von dort bis zum Kleinen Ring 34 Meter. Vom Heldenplatz bis zum Oktogon gibt es eine doppelte Allee und eine Reitspur die Straße entlang.

Hauptmerkmale der einzelnen Abschnitte vom Stadtwäldchen aus, Richtung Stadtzentrum:

Abschnitt I: vom Stadtwäldchen bis zur Rotunde - besteht architektonisch gesehen aus zwei Teilen:

  1. Bis zur Bajza-Straße ist die lockere villenviertelartige Bebauung charakteristisch. Bei der ursprünglichen Parzellenaufteilung wurden beidseitig je 14 Villengrundstücke gebildet. Die frei stehenden Villen waren wegen der strengen Bauvorschriften in einer Entfernung von mindestens 5 Metern von der Straße und an beiden Seiten mindestens 3 Meter weit von der seitlichen Begrenzung zu platzieren.
  2. Von der Bajza-Straße bis zur Rotunde wurden zweistöckige Gebäude mit Vorgärten ge-baut. Es war vorgeschrieben, Häuser in geschlossener Linie, mit einem 5 Meter breiten Vorgarten bauen zu lassen. Die Häuser durften maximal zwei Etagen haben, ihr Oberge-sims musste aber die Höhe von 11 Meter erreichen.

In diesem Abschnitt und in den umliegenden Straßen ist das größte Diplomatenviertel von Budapest zu finden, wo die Botschaften von mehreren Ländern arbeiten, wie zum Beispiel die von Bulgarien, der Türkei, von Russland, Polen, der Volksrepublik China, von Süd-Korea, Frankreich und Österreich.

Abschnitt II: Von der Rotunde bis zum Oktogon

Hier erscheinen eng nebeneinander stehende, bereits 2-3-stöckige Mietshäuser. In diesem Abschnitt wurden bedeutende Kultur- und Bildungseinrichtungen wie beispielsweise die Alte Musikakademie oder das alte Gebäude der Kunsthalle erbaut.

Abschnitt III: Vom Oktogon bis zum Kleinen Ring

Der repräsentativste Teil der Straße mit Innenstadtcharakter, wo reiche Bankiers und Unter-nehmer aneinader gereihte 3-4-stöckige Palast-Mietshäuser  als Anlage, zur Vermietung bau-en ließen.

Benennungen: Die Straße wurde zuerst Sugär (=Radialstraße) genannt, dann, im Jahr 1885 hat sie den Namen ihrer größten Förderers erhalten und wurde zur Andrássy-Straße - noch zu Lebzeiten von Graf Andrássy. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie von 1949 an Sta-linstraße, von 1956 an Straße der Ungarischen Jugend, dann, von 1959 Volksrepublikstraße genannt. 1990 hat die Straße die Benennung Andrássy-Straße wiedererhalten.

Baugeschichte Sugár út

Lajos Kossuth war der erste, der die Idee aufgeworfen hat, eine Alle anlegen zu lassen: Im Heft Nr. 18 des Jahres 1841 der Zeitschrift Pesti Hirlap hat Lajos Kossuth einen Artikel veröffentlicht: Was braucht Pest, um eine echte Hauptstadt zu sein? Darin hat er den Wunsch geäußert, dass „lange Alleen von der Kettenbrücke bis zum Stadtwäldchen angelegt werden, weil es viel gemütlicher ist, in einem großen Park spazieren zu gehen und zu reiten, und die enge, hässliche Kiräly-Straße, die unendlichen Reihen von langweiligen Hausfassaden umzugehen.“

Bis Ende des 19 Jahrhunderts war die Kiräly-Straße die einzige Straße, die die Innenstadt mit den äußeren Bezirken und mit dem Stadtwäldchen verbunden hatte. Die Straße, voll von Geschäften, konnte dem immer stärkeren Verkehr nicht mehr standhalten: Ministerpräsident Gyula Andrássy hat vorgeschlagen, eine neue Straße bauen zu lassen. Das Abgeordnetenhaus stimmte 1870 dem Plan zu, die Bauarbeiten begannen ein Jahr später. Miklös Ybl und Istvän Linczbauer wurden beauftragt, die Gebäude zu entwerfen. Das einheitliche eklektisch-Neore- naissance-Erscheinungsbild der Straße ist ihnen zu verdanken, nicht nur der Tatsache, dass die Gebäude zu gleicher Zeit erbaut worden waren. Die Radialstraße ist 1875 fertig geworden und wurde am 20. August 1876 dem Verkehr übergeben. Bis zum 2. August 1884 wurde die Straße mit kleinen Holzklötzen bedeckt, damit war die 2313 Meter lange Straße endgültig fertig. König Franz Josef I., der Thronfolger Rudolf und seine Frau wurden hier empfangen, als sie 1885 zur Landesausstellung in Budapest eingetroffen waren. Damals wurde die Straße nach dem Mann benannt, der sich am meisten für deren Bau engagierte: Graf Gyula Andrássy.

Eine Besonderheit der Andrássy-Straße ist, dass sie einen Teil der Kulturmeile zwischen der Budaer Burg und dem Stadtwäldchen bildet, ähnlich wie die auch in den USA beliebte „Museum Mile“. In der geografischen Achse von Budapest konzentriert sich die Mehrheit der Budapester Sehenswür-digkeiten: zahlreiche Museen, darunter die Nationalgalerie in Buda, das Postmuseum, das Museum der Schönen Künste, das Verkehrsmuseum; hier befinden sich mehr als zwanzig Theater und das Opernhaus.

Interessant

Auf den Promenaden vom Oktogon bis zum Heldenplatz war in den Jahrzehnten um die Wende des 19-20. Jahrhunderts verboten, zu Fuß zu gehen, weil sie für Reiter Vorbehalten waren. Die Fahrbahnen wurden mit Holzklötzen bedeckt, damit es nicht so lärmig ist. In der Sugär-Straße hat ein schwedischer Unternehmer namens Guido Rütgers die Fahrbahnen zwischen März und August 1864 bedeckt. (Auch die heutige Jözsef Attila-Straße, der Clark-Platz, der Tunnel und die Margarethenbrücke und die Kettenbrücke wurden mit Holzklötzen bedeckt.) Der Hersteller der Klötze war der norwegische Baumeister Gudbrand Gregersen (1824-1910), dessen Holzkonstruktionen landesweit berühmt waren. Er hat die erste Brücke über die Theiß errichtet, und nach der Hochwasserkatastrophe in Szeged ließ er für die obdachlos gebliebenen Bürger hundert Holzbaracken bauen. Dafür wurde er vom König ausgezeichnet und erhielt den Adelstitel.

Cherchez la femme!

Der Sage nach ließ Graf Gyula Andrássy die Andrássy-Straße errichten, damit das Gespann von Königin Elisabeth nicht die hässliche Kiräly-Straße entlang zu fahren braucht, wenn Königin Sisi ins Stadtwäldchen zu fahren wünscht. Ein Hauptziel des Großfürsten Joseph war, der 1795 zum Palatin von Ungarn ernannt wurde, Pest-Buda entwickeln und ausbauen zu lassen. All das hätte er getan, so die Legende, damit seine junge Frau, die Großfürstin Alexandra Pawlowna sich nicht unter den Hütten langweilt, sondern etwas Schönes sehen kann.

 

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