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Stadtführung :: Die Budaer Burg

Dauer: 2,5 Stunden Gehweg: 2 km

Der Burgberg

Der Budaer Burgberg ist etwa anderthalb Kilometer lang, liegt durchschnittlich 50-60 Meter über dem Wasserpegel der Donau. Seine Form ist länglich wie eine Paprikaschote, die größte Breite beträgt 500 Meter. Er besteht aus Budaer Mergel, der mit einer 10 bis 12 Meter dicken Süßwasserkalkstein-Schicht bedeckt ist. Diese Kalksteinschicht ist von einem etwa fünf Kilometer langen - mancherorts zusammenhängenden - Höhlensystem durchwoben, das im Mittelalter entstanden ist. Die natürlichen Höhlen und die ausgegrabenen Keller unter den Häusern dienten den Bewohnern der Burg als Unterschlupf und Lager, die ausgehobenen Kalksteine wurde als Baumaterial verwendet. In vielen Kellern wurde sogar ein Brunnen gegraben, etwa 80 bestehen heute noch. (Ein Teil der Budaer Höhlen kann als Touristenattraktion begangen werden. Darüber wird später berichtet.)

Historischer Rückblick

Im Laufe der Ausgrabungen auf dem Burgberg wurde bewiesen, dass das Gelände bereits vor dem Mongoleneinbruch bewohnt war. Anschließend entwickelte sich Buda in kurzer Zeit zur Hauptstadt des mittelalterlichen Ungarischen Königreichs. Der Königshof ist aber erst dann dorthin gezogen, als die ständige Königsresidenz, die genügend Raum für die größere Hofhaltung angeboten hat, am südlichen Ende des Burgbergs errichtet wurde.

Nach der Staatsgründung, in den ersten Jahrhunderten des ungarischen Mittelalters ließen unsere Könige, wie es damals üblich war, keinen festen Sitz errichten, sondern sind mit ihrer Gefolgschaft, die sie bei der Verrichtung der Regierungsaufgaben unterstützte, im Land herumgereist und sie haben sich mit den Angelegenheiten der Untertanen befasst. Es gab jedoch Ortschaften, die vom König häufiger besucht wurden, wo Gerichtstage abgehalten oder Steuern eingenommen wurden. Das erste solche Zentrum war Esztergom / Gran, das seine Bedeutung als vom König Sankt Stephan gegründetes Bistum und Zentrum der ungarischen katholischen Kirche auch später bewahren konnte. Das andere bedeutende Zentrum ist Szekesfehervär /Stuhlweißenburg, das von den Anfängen bis zum Ende des Mittelalters das sakrale Zentrum von Ungarn darstellte. Hier wurden unsere Könige gekrönt und viele von ihnen auch hier bestattet, zur Zeit der Ärpäden wurden die Krönungsinsignien und das königliche Archiv hier aufbewahrt. Relativ spät entwickelte sich Obuda zum dritten Zentrum, wo die Könige von der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts an Regierungs- und Gerichtssitzungsperioden abhielten. Also in der früher Ärpadenzeit gab es im mittleren Teil des Landes drei königliche Zentren, die für die Untertanen leicht zugänglich waren. Im 13. Jahrhundert begann Obuda sich zur zentralen Stadt des Landes zu werden, aber im Laufe der Mongolenenbrüche in den Jahren 1241-42 wurden das Land und auch Obuda erheblich zerstört.

König Bela IV. (1235-70) ließ nach dem unerwarteten Abzug der Tataren im Jahre 1242 seinen Sitz aus Esztergom nach Obuda umsiedeln. Er befürchtete, dass der Mongolenangriff jederzeit erneut erfolgen kann, so begann er im Interesse der Verteidigung des Landes viele Burgen errichten zu lassen. Um 1247 wurde anstatt im weniger geschützten Obuda auf dem flachen und breiten Plateau, auf dem undicht bewohnten Burgberg, nahe der Donau eine befestigte Burg errichtet, die von massiven Mauern und Türmen umgeben wurden. Das Areal war wegen seiner Flächenbedingungen sehr gut geeignet, gleichzeitig hatte es eine zentrale Lage, was für den Handel wichtig war. Der Aufbau einer neuen Stadt, die die Bürger besser beschützen konnte, war durch die Nachrichten über einen erneuten Angriff der Tataren auf Europa beeinflusst.

Die königliche Residenz (Unterkunftsstatte, Kammerhof) ist nicht auf dem Gebiet des heutigen Königspalastes entstanden. Historischen Angaben und archäologischen Funden nach war der Kammerhof, auch altes Königshaus — „antiqua domus regis“ - genannt, ein Gebäudekomplex im nordöstlichen Winkel der Stadt an der Stelle des heutigen Hauses unter Täncsics Mihäly-Straße 7-9. Die Wälle sind wohl auf der Bergkante errichtet worden.

Der König ließ die Pester Bevölkerung im Burgviertel ansiedeln und hat weitere Einsiedler eingeladen. Unter ihnen gab es eine Vielzahl von deutschen Familien, die von so genannten Lokatoren nach Buda gerufen wurden. An den zwei Meter breiten Walls, die auf der inneren Bergkante gebaut wurden und durch Basteien unterbrochen war, gab es ursprünglich vier Tore: das Samstagtor/Szombat-kapu an der heutigen Erdelyi-Bastei (Täncsics Mihäly Str. 9) stand neben dem königlichen Kammerhof und blickte nach Norden. Am südlichen Ende des Disz-Platz/ Paradeplatzes, wo der Burgberg schmaler ist, an der östlichen Seite wurde das Wassertor/Vfzi kapu oder Szent Jänos-kapu (Johannestor) gebaut. Westlich stand das Feherväri- Tor oder - nach dem nahe liegenden Judenviertel benannt - Judentor/Zsidö-kapu. - Am südlichen Ende des Burgbergs, unterhalb der südwestlichen Lauben des Palastes aus der Zeit von Sigismund befand sich das Kelenföldi-Tor, welches Richtung Tabän führte.

In der nächsten Zeit ist Buda bereits Hauptstadt des Landes - mit Ausnahme der Herrschaft von Karl Robert — da er die Feinde von Buda unterstützt hat, war er gezwungen, seinen Sitz nach Visegräd zu verlegen.

Zu Zeiten seines Sohnes, Ludwig des Großen (Nagy Lajos) hat man mit großem Schwung angefangen zu bauen. Im Süden ist der höchste Turm des Königspalastes, der Stephansturm erbaut worden, im Norden wurde die Bürgerstadt errichtet.

Die echte Entwicklung erfolgte im 15. Jahrhundert, zu Zeiten von König Sigismund, der nicht nur König von Ungarn, sondern auch deutscher König, dann Kaiser des heiligen Römischen Reiches war, sein Hof war endgültig in Buda. Unter Sigismund wurde das Gebiet der Burg sowohl auf dem Gebiet des Burgpalastes, als auch auf dem der Bürgerstadt erweitert, der Wall wurde teilweise um 10 bis 20 Meter nach außen gerückt. Das Gebiet zwischen den alten und neuen Mauern wurde im Allgemeinen aufgefüllt.

Zu Zeiten von Matthias Corvinus wurden der Königspalast und die mittelalterliche Bürgerstadt immer größer und prunkvoller. Damals war Buda nicht nur das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum in Ungarn, sondern auch eine der wichtigsten europäischen Hauptstädte: Man pflegte zu sagen: „Europa hat drei Schätze: Venedig auf dem Wasser, Florenz auf der Ebene und Buda auf dem Berg.“

Nach dem Tod von König Matthias war die Blütezeit von Buda zu Ende. 1541 fiel die Stadt unter Türkenherrschaft und war 145 Jahr lang ein abgelegenes Gebiet des Osmanischen Reichs. Die Türken haben nur Befestigungsanlagen errichtet, die anderen Gebäude wurden ihrem Schicksal überlassen. 1686 wurden die Türken im Laufe grausamer Kämpfe ausgetrieben. Der herrliche gotisch-Renaissance-Palast und die meisten Häuser im Burgviertel sind bei der Zurückeroberung der Stadt vernichtet worden oder fielen dem Brand zum Opfer. Im 18. Jahrhundert hat man angefangen, die Stadt und den Palast im Barockstil neu zu bauen. 1703 war Buda wieder eine freie königliche Stadt, hat ihre politische Rolle jedoch nicht zurückgewonnen. Der Sitz des Habsburgerreiches war in Wien, die Landtage wurden in Pozsony/ Pressburg abge-halten. Buda wurde zur Stadt der höfischen Beamten, seine Entwicklung hat sich verlangsamt.

Anfang des 19. Jahrhunderts, in der Zeit des Klassizismus war das Palais Sändor das einzige klassizistische Gebäude auf dem Gebiet der Burg. Die Entwicklung hat mit der Vereinigung von Buda, Pest und Obuda im Jahre 1873 begonnen. Bald hat man angefangen, den Königspalast zu modernisieren, Regierungsämter zu bauen. Die Matthiaskirche wurde renoviert, die Fischerbastei wurde erbaut. Anfang des 20.

Jahrhunderts hat sich das Erscheinungsbild der Burg entwickelt und bis zum Zweiten Weltkrieg hat es sich auch nicht geändert. Bei der Belagerung in den Jahren 1944-45 sind fast alle Häuser beschädigt worden, der Königspalast ist ausgebrannt worden.

Der Wiederaufbau ist immer noch nicht vollständig abgeschlossen. Bei Ausgrabungen auf dem Gebiet des königlichen Palastes wurden Überreste des mittelalterlichen Palastes und der Befestigungsanlage entdeckt. Vor dem runtergefallenen Putz der Wohnhäuser der Bürgerstadt kamen die in der Barockzeit zugemauerten gotischen Tür- und Fensteröffnungen und Sitznischen zum Vorschein.

Der Gebäudekomplex des Burgbergs steht seit Jahrzehnten unter Denkmalschutz. Sein Reichtum an Kunstdenkmälern und die fachgerechte Wiederherstellung wurden anerkannt, als die UNESCO das Burgviertel in Buda mit dem Donaupanorama von Buda und Pest im Jahre 1986 auf die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen hat.

 

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